Living in the Material World von Martin Scorsese

featured, Filme — Von Claudia in 21. Dezember 2011 12:42

“Bisher unveröffentlichtes Filmmaterial” – kaum ein Satz wird in Verbindung mit Dokumentationen häufiger verwendet, und seltener eingehalten als dieser. Auch “Living in the Material World” von Martin Scorsese wirbt mit dieser Floskel, und beweist zeitgleich eindrucksvoll, dass es auch anders geht.

George Harrison – das verkannte Kreativgenie der Beatles

Als “Fab Four” veränderten die Beatles eine ganze Generation. Ihr Einfluss auf die Musikgeschichte ist bis heute spürbar. Zeitgleich waren die Beatles der Inbegriff und Ausdruck eines rebellischen und politikverdrossenen Zeitgeistes. “Living in the Material World” ist der dokumentarische, klischeefreie, und mit würdevollem Respekt abgehandelte Umriss einer Persönlichkeit, die zu Zeiten der ersten wahren Boygroup überhaupt, nicht nur stets im Schatten ihrer Bandmitglieder stand, sondern auch populistisch stets hinter Ringo Starr, Paul McCartney und Lennon agierte. George Harrison, ein untrennbar mit den Beatles verbundenes Gesicht, gelang es erst nach der Trennung und Auflösung der Band im Jahre 1970 sein kreatives, musikalisches und künstlerisches Potential voll auszuschöpfen. Zeitgleich gilt er in den meisten Fachkreisen bis heute als der Ex-Beatle mit der erfolgreichsten Solokarriere nach dem Aus der wohl einflussreichsten Band ihrer Zeit.

Querschnitt durch das Leben und Schaffen des George Harrison

Martin Scorsese zeichnete sich bereits für etliche Dokumentation lebender und verstorbener Musiklegenden verantwortlich. 2011, zehn Jahre nach dem Tod Harrisons, präsentiert Scorsese ein beeindruckendes Portrait, und bietet dem Zuschauer faszinierende, außergewöhnliche und emotionale Einblicke in das Leben eines Musikers, dessen wahre Größe wohl nie gänzlich erreicht werden konnte. In 209 Minuten Laufzeit kommt nicht nur George Harrison in bislang unveröffentlichtem Film- und Musikmaterial selbst zu sprechen, sondern auch zahlreiche Kollegen. Verantwortlich für die inhaltliche Tiefe zeichnet sich zudem Co-Produzentin Olivia Harrison, George Harrisons Ehefrau. Das Besondere an “Living in the Material World” ist der unvergleichliche Einblick in ein Leben und eine Karriere, der gänzlich auf Populärjournalismus verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus auf dem Respekt gegenüber eines kreativen Geistes, der zu Lebzeiten stets unterschätzt wurde. Gezeigt wird Archivmaterial, Pressematerial, und Konzertausschnitte, gepaart mit Interviews von Freunden und Kollegen, und bis dahin unbekannten Songs aus der Feder Harrisons, die es nie in das Portfolio der Beatles geschafft haben. Zu Unrecht – wie der geneigte Zuschauer feststellen wird.

Pic.: Andy Lidstone – Fotolia

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